Samstag, 24. Dezember 2011

Schönes Fest

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Donnerstag, 17. November 2011

Es regnet!

Endlich! Es regnet. Und zwar heftig.

Marsabit2

Im Norden und Nordosten von Kenia schüttet es, "was es abe mag". Das ist eine gute Nachricht.

Landscape2

Man kann fast zusehen, wie das Gras wieder aus dem Boden schiesst, so schnell geht das hier.

Waterpan1

Die Menschen eilen mit Kanistern und Kübeln zu jedem Weiher, zu jeder Pfütze. Da lauert aber auch neue Gefahr.

Waterpan2

Oft ist das Wasser verunreinigt und ungeniessbar. Geschwächte Menschen können schnell und schwer daran erkranken.

Auch für viele Tiere hatte der starke Regen schon fatale Folgen. Sie erkälteten sich und erkrankten und starben an Lungenentzündung.

Dirtroad1

Die nicht befestigten Strassen verwandeln sich in Schlammpisten und Bäche. Das erschwert den Transport von Hilfsgütern. Aber Hilfe ist weiterhin dringend nötig. Es wird noch viele Monate dauern bis die dezimierten Herden wieder eine Grösse erreicht haben, die ausreicht um die Familien ernähren zu können. Nahrungsmittel sind weiterhin Mangelware. Die Bauern können jetzt zwar wieder etwas Korn und Hülsenfrüchte ansäen. Eine erste Ernte kann aber erst nach drei Monaten eingefahren werden.

Landscape1

Aber nochmals: Es regnet! Und das ist eine gute Nachricht.

Sonntag, 14. August 2011

Hotel Plaza

Anders als die Leute, die hier ihr ganzes Leben verbringen, können wir wieder weg. Haben keinen Mangel an Wasser und keinen an Brot. Mich beispielsweise erwartet nach meiner Rückkehr in Nairobi ein komfortables Guesthouse. Kein Sternepalast, wir sollen ja keine Spendengelder in Ferienresorts investieren, aber immerhin, es ist ein richtiges kleines schniekes Hotel mit Dusche und einem Speisesaal.
Sind wir aber unterwegs in die Projektgebiete, und die liegen allesamt abseits der all-inclusive Safarirouten, dann haben wir meistens keine Wahl. Zu den besten Adressen auf dem Weg von Nairobi nach Garissa und Wajir gehört das Hotel Plaza.

HotelNoWhere

Der Gasthof befindet sich direkt an der Strasse, in dem grössten Gebäude einer Ortschaft, deren Namen ich schon wieder vergessen habe.

Nowhere

Gemäss Wegweiser soll es hier noch eine zweite Unterkunft für Durchreisende geben. Bloss, wir waren zu müde, uns auch noch um Hotelvergleiche zu kümmern. Obschon, auf die da im Hof des Plaza hätten wir verzichten können.

schlange

Der Exodus von Löwe, Giraffe und Co.

KadaverVieh

Zu tausenden liegen die Kadaver in den vertrockneten Ebenen. Das verdurstete und verhungerte Vieh wird da liegen gelassen, wo es gestorben ist. Den Rest besorgen die Krähen und Geier. Zwischen den verhungerten und verdursteten Ziegen, Schafen, Kühen und Kamelen der Bauern und Nomaden, liegen auch immer mehr Wildtiere. Vor allem Antilopen und Giraffen.

Giraffe_tot

Der Osten Kenyas hat eine reiche Fauna. Neben Giraffen, Antilopen und riesigen und winzigen Vögeln gibt es hier auch Hyänen, Geparde und Löwen. In den wenigen bewaldeten Zonen am Rand der Halbwüste leben Büffel und Elefanten. Auch sie kämpfen ums Überleben. Der kenianische Wildlife Service KWS, der für die Nationalparks und den Schutz der Tierwelt zuständig ist, schätzt die Zahl des durch die Dürre getöteten Wilds auf weit über 2 Millionen. Dazu kommt, dass viele Tierarten kaum mehr Nachwuchs hervorbringen.
Auf der Suche nach Wasser und Nahrung legen auch Löwe, Giraffe und Co. immer weitere Strecken zurück, was an einzelnen Orten bereits zu einem eigentlichen Exodus der Wildtiere aus ihren angestammten Revieren geführt hat. Einzelne Arten suchen auch zunehmend die Nähe von Siedlungen. Die Hyänen, die sich am frühen Morgen keine hundert Meter von meiner Unterkunft entfernt herumtreiben, sind riesenhaft imfall! Gross wie Kälber! Zähne wie Dolche! Die Hyänchen in unseren Zoos sind halbe Portionen dagegen und wirken im Gegensatz wie Kuschelbärchen.

hyaene

Kwaheri Marsabit

Die Caritas-Hilfe für Marsabit steht fest. In den nächsten sechs Monaten werden wir die dringendsten Bedürfnisse der 25'000 am meisten unter der Dürre leidenden Menschen und Tiere decken können.

WaitingWater

Erstens Wasser. Sieben teils über 40 Kilometer weit vom nächsten Wasserbohrloch liegende Dörfer erhalten Trinkwasser. Und zwar soviel, dass es auch für die Hygiene ausreicht. Mit dem auch für uns nicht immer quellrein verfügbaren Wasser verteilen wir zur Gesundheitsvorsorge auch sogenannte Aquatabs, Wasserreinigungstabletten.

Malnutrition

Zweitens Nahrung. Geschwächte Kleinkinder und ältere Menschen, die sich hier hauptsächlich von zurzeit nicht mehr verfügbarer Milch ernähren, erhalten stärkende Ergänzungsnahrung auf der Basis von Soja. Die Verteilung erfolgt über die Gesundheitsposten in den Dörfern sowie via die Kinderhorte und Primarschulen. Der sicherste Weg, dass die Hilfe bei den Familien ankommt, und nicht auf dem freien Markt.

WeakLivestock

Drittens Futter. Hirten und Nomaden ohne Zugang zu Gras oder anderem Futter erhalten Heu, damit die letzten verbliebenen Kühe, Ziegen oder Schafe überleben können.

Dams1

Viertens Einkommen. Mit der Wiederherstellung von Wasserfassungen und Dämmen im Gelände, die durch die lange Dürrezeit unbrauchbar geworden sind, bereiten sich die Dorfgemeinschaften mit Caritas-Hilfe auf die nächste Regenzeit vor. Für die Arbeit an den "dams" erhalten die Männer einen Lohn, mit dem sie für ihre Familien wieder aus eigener Kraft Essen kaufen können. Ausserdem entlasten sie die eigene Familien, weil sie auf der Arbeit mit Mahlzeiten versorgt werden. Frauen, die in dieser Gegend traditionell keine Bauarbeiten verrichten, können sich als Köchinnen, Wäscherinnen oder mit Zulieferdiensten auch an dem Projekt beteiligen.

Wie bei der Wasserverteilung mit der Abgabe von Aquatabs achten wir auch bei allen anderen Teilprojekten - beispielsweise mit Toiletten, zusätzlichem Wasser und auch Aufklärung und Trainings - auf die Hygiene und die Vorsorge gegen Krankheiten.

Abschied

Sodeli. Meine Arbeit im Distrikt Marsabit ist vorerst getan. Ich fahre zurück nach Nairobi und reise dann weiter in den Osten, Richtung somalische Grenze. Auch dort, in dem riesigen Wüstengebiet um Garissa, Dadaab und Wajir, wo immer noch zigtausende somalischen Dürre- und Kriegsflüchtlinge ankommen, braucht es die Hilfe von Caritas.

Kwaheri! Auf Wiedersehen Marsabit. Schade nur, dass ich meine beiden neuen Freunde, die mir in den letzten Tagen immer wieder hinterher getrottet sind, zurück lassen muss:

Dunkeys

Henry The Swiss

Henry1

Das ist Heini Dommann alias Henry The Swiss. Das Foto gehört eigentlich verboten, aber ich habe kein besseres hinbekommen mit meinem Handy in der Abenddämmerung.

Wir sitzen vor seinem Haus mitten in Marsabit, Henry spendiert ein Bier und erzählt mir vom Leben in der kenianischen Wüste. Vor 31 Jahren blieb Heini Dommann nach einem Einsatz als Entwicklungshelfer hier hängen. Heute ist der gelernte Feinmechaniker aus Basel Bau- und Transportunternehmer, Schreinermeister, Landwirt und vor allem Arbeitgeber. Dutzende Familien in Marsabit leben von der Arbeit in Dommanns Betrieben. Er baut und renoviert Häuser, Schulen, Kirchen, Küchen, produziert Möbel und transportiert alles, was es hier zum Leben braucht. Im Moment vor allem Wasser. 50 Kilometer Sandpiste liegt das Bohrloch entfernt, das die Stadt mit Trinkwasser versorgt. Dommann gehört zu den wenigen in der Stadt, die in der fruchtbaren Jahreszeit Heu produzieren, um sein Vieh, ein paar Kühe und Ziegen, auch in längeren Dürreperioden über dir Runden zu bringen. Mit seiner einheimischen Frau hat er sieben, teils erwachsene Kinder. Die Söhne arbeiten im Betrieb mit oder in "Henry's Camp", einer einfachen Lodge mit Unterkünften, Wasch- und Kochgelegenheiten, in der vor allem die gelegentlichen Langstrecken-Travellers mit ihren wüstentauglichen Motorrädern absteigen. Denn Marsabit liegt an der klassischen Transafrika-Route von Kairo nach Kapstadt.

Henry The Swiss gehört nicht zu denen, die die aktuelle Katastrophe noch heisser reden, als sie schon ist. Wo es gar kein Wasser gibt, gibt es auch keine Menschen, sagt er. Das Leben hier sei schon immer hart gewesen, es habe immer wieder Dürreperioden gegeben, und die Menschen hätten schon immer viel Aufwand treiben müssen, um an Wasser heranzukommen. Diesmal aber sei es anders, härter, der Regen bleibe seit Jahren aus, das habe auch er noch nie erlebt: Die Tiere der Nomaden gehen ein, eines nach dem andern. Und wenn die Tiere tot sind, sind die Menschen dran. Deshalb bekommt von den spärlichen Wasserrationen in mancher Hirtenfamilie oft das Vieh das meiste ab.

Es ist mittlerweile finstere Nacht und ich mache mich auf den Weg in meine Unterkunft. Zum Abschied wird Henry noch ein Anliegen los: Helft den Hirten und Nomaden. Aber richtig. Einfach nur Wasser, Mais und Bohnen liefern und adieu, das hilft vielleicht um kurzfristig zu überleben. Aber nicht auf Dauer. Helft den Leuten da draussen zu kapieren, dass auf die Jahreszeiten kein Verlass mehr ist und zeigt ihnen auch, was sie selber tun können, um eine nächste schwierige Zeit überstehen zu können.

Der Prinz von Bayern

In Marsabit gibt es keine Hotels. Ich wohne dennoch einigermassen komfortabel im Guesthouse auf dem Gelände der lokalen Pfarrei. Heute habe ich hier mit dem Prinzen von Bayern gefrühstückt. Allerdings erkannte ich Franz Joseph, den Urenkel des letzten bayrischen Königs, Ludwig III. nicht als solchen und hielt den unauffälligen Mann mit langer Mähne und markantem Schnauz zuerst vielmehr entweder für einen Hippietramper oder einen der wenigen weissen Missionare der Gegend hier (weshalb ich auch nicht gleich ein Foto schoss und mich hier mit einer Aufnahme von Hans Albrecht Lusznat behelfe).

Florian1

Die zweite Einschätzung stimmte haarscharf. Franz Joseph ist Missionar. Und zwar schon seit 30 Jahren. Seine Station liegt in Ileret, am äussersten Westzipfel der Provinz Marsabit, direkt an der äthiopischen Grenze. Father Florian ist Benediktinerpriester. Wer dies nicht weiss, kommt auch kaum drauf. Denn Pater Florian kann auch ganz weltlich. Den vielen NGOs im Land steht er skeptisch gegenüber. Er kritisiert die mangelnden Visionen für Afrika und befürchtet, dass die derzeitige Dürre dazu führen könnte, dass aus den Nomadenvölkern im Norden Kenias sesshafte Bauern gemacht werden. Das wäre katastrophal, sagt der Pater und hofft, dass mit der Hilfe im Dürregebiet die Selbständigkeit und ökonomische Autonomie der Menschen gestützt und gefördert wird. Pater Florian hält beispielsweise nicht viel von Lebensmittelverteilungen. Stattdessen fordert er Projekte, die den Menschen ermöglichen eigenes Geld zu verdienen, das wiederum für den Kauf von Lebensmitteln eingesetzt werden kann. Dieser Ansatz entspricht ziemlich genau auch der Philosophie von Caritas und den Projekten, die wir hier vorantreiben. Die Menschen in dieser kargen Gegend, wo nichts Essbares wächst, haben ihre Lebensmittel schon immer mit dem Erlös aus der eigenen Arbeit, der Viehzucht, gekauft. Die Dürre hat den Menschen mit dem Wegsterben der Viehbestände nun diese Möglichkeit genommen.

Turbi

Turbi liegt 130 Kilometer nördlich von Marsabit und ist einer der letzten Orte vor der äthiopischen Grenze. Stammesfehden führten hier 2005 zu einem Massaker, über das damals sogar in Europa berichtet wurde. Heute ist Turbi ein friedlicher Ort. Die Menschen hier sind arm und lebten schon vor der Dürre in einfachsten Verhältnissen.

_Huetten

Die einzige Einkommensgrundlage ist die Viehzucht. Kamele, Kühe, Ziegen, Schafe.

_Kamele

Herden wie diese gibt es kaum noch. Seit vier Jahren hat es in Turbi nicht mehr geregnet. Und wenn das Wasser ausgeht, sterben die Tiere als erstes. Oft brechen sie aus Erschöpfung zusammen. Die Hirten können nichts für sie tun und lassen sie liegen. Die einzigen, denen es hier gut geht sind Geier und Raben.

_TotesVieh

Kein Vieh, das sich verkaufen lässt, bedeutet auch kein Geld für Wasser und Lebensmittel. Die kenianische Regierung liefert deshalb auch nach Turbi Trinkwasser zum Nulltarif. Theoretisch. Praktisch fehlt aber meist das Benzin für den Transport des Wassers. Und wenn es dann einmal Wasser gibt, ist es viel zu wenig.

_Wasserlaster

Und so bleibt nichts als der beschwerliche Weg zum nächsten Grundwasserbrunnen. Für die Frauen von Turbi bedeutet dies 40 beschwerliche Kilometer Fussmarsch, zwanzig hin und zwanzig zurück. Denn das Wasser gehört zum Haus. Und für das Haus sind auch in Kenia die Frauen zuständig.

_Wasserkanisterfrau

Business as usual in Nairobi

nairobi

In Nairobi ist von der gigantischen Hungerkatastrophe ein paar hundert Kilometer nordöstlich der kenyanischen Hauptstadt nichts
zu spüren. Die Shopping-Malls, Lebensmittelläden und Märkte sind für die, die Geld haben wie eh und je prall gefüllt mit allem, was man für ein schönes Leben braucht, und auch nicht braucht. Die lokalen Medien berichten nur sehr spärlich über das Leiden und Sterben an den Grenzen zu Somalia und Aethiopien. Es regnet in Nairobi und das Wasser in meinem Guesthouse fliesst aus allen Hähnen. Ich nehme eine ausgiebige Dusche, vielleicht die letzte der nächsten Tage und mache mich bereit für den zweistündigen Flug in der Sechssitzer-Propellermaschine nach Marsabit. Marsabit ist ein kleines Städtchen im Norden, Richtung Äthiopien, und Hauptort der gleichnamigen Provinz. Dort wollen wir in den nächsten Tagen ein Hilfsprogramm für die ansässige kenyanische Bevölkerung starten, die von der grossen Dürre ebenso betroffen ist wie die zu Hunderttausenden nach Kenia flüchtenden Somalier. Wenn immer technisch möglich werde ich in den nächsten Wochen hier darüber berichten. Schauen Sie wieder rein.

Kontakt

Fred Lauener CH - 6852 Genestrerio kontakt@fredlauener.ch


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