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Samstag, 12. August 2006

ViaVia

viavia

Ich versuche mich hier so gut es geht den Gegebenheiten anzupassen. Zum Beispiel trainiere ich zurzeit für meinen Umzug. Raus aus dem Hotel, rein in die frisch gemietete Caritas-Wohnung. Das wird nächste Woche aktuell. Seit fünf Tagen dusche ich trotz Warmwasser à gogo im Hotel nur noch kalt. Denn selbst in mittelständischen indonesischen Wohnungen gehört Warmwasser nicht zum Standard.
Kalt duschen, zum Frühstück scharfe Chillisuppe, beim Abgezocktwerden am Verkaufsstand nicht ausflippen, nie bei Tisch in der Nase bohren, Gegenstände nur mit der rechten Hand weitergeben, und so weiter und so weiter. Ich lerne und ich gebe mir Mühe, aber alles hat seine Grenzen!
Hin und wieder will ich einfach nur der Holzklotz aus dem Baselbieter Jura sein, nicht nur die Seele, sondern auch das Hirni und meine Laune baumeln lassen.

Und genau in diesen Momenten gehe ich ins ViaVia.

Das ist ein Travellercafé im Süden der Stadt. Eine belgische Erfindung, die es in elf Städten rund um die Welt gibt. "Andersreisende", das heisst unkomplizierte Menschen, kommen hier voll auf ihre touristischen Kosten abseits der ausgelatschten Trampelpfade. Nicht nur wegen des ganz und gar empfehlenswerten kulinarischen Angebotes im Café selber, sondern auch wegen der Vielfalt an begleiteten Aktivitäten, die das Café anbietet: Vom vierstündigen Rundgang entlang des Flussufers durch die "minderen" Quartiere von Jogja, über Kurse für indonesische Spezialitäten wie Batik, Silberverarbeitung oder Massagen, bis zum zweitägigen Trip zu Fuss und hoch zu Ross durch die mystische Vulkanlandschaft von Bromo.
bromo
Geführt werden die Touren, die individuell vereinbart werden können und deren Teilnehmerzahl auf angenehme sechs Personen beschränkt ist, nicht von einem europäischen Studenten, der sich eine Saison lang als Reiseleiter sein nächstes Semester verdient und sein Wissen aus dem gleichen Reiseführer bezieht wie seine Kundschaft. Nein, begleitet werden die Ausflüge von der Köchin, dem Küchenburschen oder der Kellnerin des ViaVia. Von Leuten, die man schon als Gast in der Beiz kennengelernt hat, die sich hier auskennen und eine Menge wissen und zu erzählen haben auf einem - wie in meinem Fall - unglaublich spannenden Spaziergang durch Jogja, der zwar fast einen halben Tag dauerte, aber doch viel zu schnell schon wieder zu Ende war.

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